Wie sollte ein Medikament gegen Kopfläuse idealerweise beschaffen sein?

Als Betroffener stellt man verständlicherweise sehr hohe Anforderungen an das Präparat. Im Vordergrund steht eine zuverlässige und schnelle Wirkung. Adulte Läuse und Nymphen (Läuse vor der Geschlechtsreife) sollten möglichst vollständig getötet werden, damit eine weitere Vermehrung ausgeschlossen ist, ebenso wird eine ovizide (eierabtötende) und kittlösende Wirkung erwartet. Außerdem wird gesundheitliche Unbedenklichkeit der Mittel gefordert, d.h. keine oder nur eine geringe Warmblütertoxizität. Zudem sollte das Mittel dermatologisch gut verträglich sowie anwenderfreundlich sein. Solche idealen Eigenschaften von Medikamenten gegen Kopfläuse sind nicht in vollem Umfang erreichbar.     

Zugelassene Medikamente gegen Kopfläuse

Drei Wirkstoffgruppen stehen in der Humanmedizin zur Verfügung: chlorierte Kohlenwasserstoffe (heute Lindan), Naturstoffe wie Pyrethrum / Pyrethrine und synthetische Pyrethroide sowie organische Phosphorsäureester. Es handelt sich primär um Wirkstoffe, die auch im Agrarbereich, bei den Haushaltsinsektiziden sowie in der kommerziellen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden, bei den Insekten als Nervengift wirken und sich in der Behandlung von Kopfläusen über Jahre bewährt haben. 

Zur Entlausung zugelasse Medikamente

Jacutin - Gel® (Wirkstoff Lindan) Quellada H Shampoo® (Wirkstoff Lindan) Goldgeist-forte® (Wirkstoffe Pyrethrum , zusätzlich Piperonylbutoxid) Quellada P Shampoo® (Wirkstoff Pyrethrine und Piperonylbutoxid) Jacutin - N - Spray® (Wirkstoff Allethrin, ein Pyrethroid) Organoderm Lösung® (Wirkstoff Malathion) ist in Deutschland zur Zeit nicht im Handel.  

Chlorierte Kohlenwasserstoffe (Lindan)

Obwohl bereits 1825 mit dieser Wirkgruppe experimentiert wurde, fand man die insektiziden Eigenschaften erst in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Zur Behandlung von Kopfläusen wird Lindan (gamma-1,2,3,4,5,6-Hexachlorcyclohexan, gamma-HCH) in verschiedenen Darreichungsformen angeboten. Die Präparate sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Lindan erfasst adulte Insekten und deren Larven, während die ovizide (eierabtötende) Wirkung gegenüber Läuseeiern kontrovers diskutiert wird. Ein Teil des Lindans wird über die Haut resorbiert. Bei kurzfristiger Anwendungszeit wird Lindan mit einer Halbwertzeit von etwa 20 Stunden aus dem Blut eliminiert und über Nieren und Leber ausgeschieden. Während der Schwangerschaft und Stillzeit ist Lindan kontraindiziert. Eine Anwendung bei Anfallsleiden (Epilepsie), reduziertem Allgemeinzustand, schweren Begleiterkrankungen, altersbedingter Abwehrschwäche sowie stark geschädigter Haut sollte nur nach Rücksprache mit einem Arzt erfolgen.  

Pyrethrum und Pyrethrine

Pyrethrum ist der insektizide Inhaltsstoff einer Anzahl von Chrysanthemum-Arten, deren getrocknete und gemahlene Blüten seit Beginn des 19. Jahrhunderts zur Bekämpfung von Insekten verwendet werden. Zur Gewinnung des Wirkstoffs werden die Blüten nach der Ernte in einem aufwendigen Verfahren entweder getrocknet und gemahlen oder aber durch die Kombination polarer und unpolarer Lösemittel (Methanol, Kerosin) extrahiert und auf einen bestimmten Wirkstoffgehalt gebracht. Die so gewonnenen Stäube und Extrakte werden als Pyrethrum bezeichnet. Sie enthalten verschieden Wirkstoffe, deren wichtigsten Pyrethrin 1 und Pyrethrin 2 sind. Es sind reine Kontaktgifte, die schnell in das Nervensystem der Insekten gelangen, dort den Natriumeinstrom verlängern und innerhalb weniger Minuten zu einem Knock-down-Effekt (reversible Lähmung) führen.

Die angewandte Dosis reicht meist nicht für eine letale Wirkung, da Pyrethrum im Insekt relativ schnell enzymatisch entgiftet werden kann. Durch den Zusatz von Synergisten, z.B. Piperonylbutoxid, läßt sich die enzymatische Entgiftung verzögern, die Insekten werden abgetötet. Osmotische Effekte führen zum Austrocknen der Nissen.Nach Aufnahme (die dermale Aufnahme ist insgesamt gering) über die Haut wird die maximale Plasmakonzentration nach etwa vier Stunden erreicht, die Eliminationshalbwertzeit beträgt im Fettgewebe >20 Tage, im übrigen Gewebe zwischen acht und 55 Stunden. Eliminiert werden die Pyretroide über Nieren und Leber. Pyrethrine sind u. a. nicht angezeigt bei Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe.  

Pyrethroide

Pyrethroide sind synthetisch hergestellte Stoffe, die chemisch dem Pyrethrum ähneln. Bereits 1950 erschien als erstes kommerziell verwertbares synthetisch hergestelltes Pyrethroid das Allethrin. Heute gibt es zahlreiche Verbindungen wie Tetramethrin, Cypermethrin, Deltamethrin, Permethrin oder Cyfluthrin. Zur Behandlung gegen Kopfläuse dient Allethrin. Die Anwendung von Allethrin ist unter anderem nicht angezeigt bei Säuglingen sowie bei bekannten inhaltsstoffbezogenen Allergien. Der Kontakt mit Augen und Schleimhäuten ist zu vermeiden.   

Organische Phosphorsäureester

Malathion ist ein Phosphorsäureester. Es wirkt über eine Hemmung der Acetylcholinesterase. In Deutschlandt ist Malathion zwar zugelassen, es befindet sich jedoch derzeit kein Präparat dieser Substanzgruppe auf dem deutschen Markt.  

Resistenzen bei Kopfläusen

In einzelnen Fällen wurden regionale Resistenzen von Läusen gegen Pyrethrum beobachtet. Die genauen Ursachen zu dieser Resistenzentstehung sind noch nicht bekannt. Im Gegensatz zu einigen Meldungen gab es bisher keine Resistenzen gegen Lindan . Auch die gegen Goldgeist forte resistenten Läuse blieben empfindlich gegen Lindan.

Das WaBoLu empfiehlt Goldgeist forte wegen seiner hohen Wirksamkeit und guten Verträglichkeit auch weiterhin als Mittel der ersten Wahl. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDAhat in einem mehrjährigen Aufbereitungsverfahren die Arzneimittel zur Läusebekämpfung bewertet: Nur die Präparate mit der Kombination aus Pyrethrum-Extrakt und Piperonylbutoxid gelten als sicher und unbedenklich. Goldgeist forte entspricht den Bedingungen der FDA-Monographie in ihren wesentlichen Punkten.     

Gefahr bei häufiger Behandlung von Kopfläusen.  

Bei den oben beschriebenen Wirkstoffen handelt es sich um Insektizide, für die auf Grund vieler Untersuchungen eine hohe Toxizität bei Läusen und eine vergleichsweise niedrige Toxizität beim Menschen gesichert ist. Dennoch gibt es die Besorgnis, dass diese Mittel eventuell gesundheitsschädigend sein könnten. So erwähnt die Verbraucherzentrale Hamburg in ihrem Merkblatt folgende potentiellen Gefährdungen: Pyrethrum: "Problematisch sind Verunreinigungen mit Pyrethrosin, die zu Hautveränderungen führen können." Hierzu ist zu sagen, dass natürliche Inhaltsstoff der Chrysanthemen, wie Pyrethrosin und Glykoproteine, bekanntermaßen Hautallergie verursachen können. Die stark sensibilisierenden Stoffe werden jedoch bei den Reinigungsschritten aus den Handelspräparaten entfernt. Pyrethroide: "Bei den synthetischen Pyrethroiden sind cutane Parästhesien, d.h. Kribbeln, Juckreiz, Kältegefühl oder auch schmerzhaftes Brennen der eingeriebenen Kopfhaut möglich." Hierzu ist zu sagen, dass tatsächlich der Verdacht nicht ausgeräumt werden kann, dass solche Nebenwirkungen in seltenen Einzelfällen leider auftreten können, besonders wenn zu häufig, zu lang oder zu hoch dosiert behandelt wird. Lindan: "Es besteht der Verdacht, dass Gamma-Hexachlorcyclohexan (Lindan) Krebs verursachen kann."

Der Verdacht beruht auf einer einzelnen Beobachtung an Versuchstieren und wird von den regulatorischen Behörden überwiegend als unzureichend angesehen. Die sachgemäße Behandlung leistet keinerlei nennenswerten Beitrag zu einem Krebsrisiko. Malathion: "Nach Vergiftung mit Organophosphaten werden in anderem Zusammenhang (z.B. Erntearbeiter) schwere Nervenschäden beschrieben." Hierzu ist zu sagen, dass Malathion zu den Organophosphorsäure-Insektiziden mit einer relativ geringen akut toxischen Wirkung beim Menschen gehört (z.B. im Vergleich zu Parathion). Die Exposition bei sachgemäßer Läusebekämpfung ist viel geringer, als die Exposition des ungeschützen Erntearbeiters, der dem Aerosol ausgesetzt ist. Die Dosis-Wirkungsbeziehung von Malathion beim Menschen ist sehr gut bekannt.     

Zusammenfassung 

Zusammenfassend kann man sagen, dass die im Handel befindlichen Präparate mit guter Wirksamkeit die Kopfläuse bekämpfen. Wie bei jeder Behandlung ist aber ein Risiko von Nebenwirkungen nicht völlig auszuschließen, besonders bei unsachgemäßer und eventuell auch bei häufiger Anwendung. Deswegen ist es wichtig, dass Eltern von Kindergarten- und Schulkindern sich um eine richtige Anwendung der Mittel bemühen. Dabei sind die Hinweise und Gegenanzeigen der Beipackzettel zu beachten, dies übrigens besonders auch bei der Behandlung von schwangeren oder stillenden Familienmitgliedern, sowie der ganz kleinen Geschwister (Säuglinge und Kleinkinder). Darüber hinaus ist es wichtig, durch entsprechende Präventionsmaßnahmen einen häufigen Läusebefall zu verhindern. Eventuelle unerwünschte Wirkungen sollten dem Arzt mitgeteilt werden.

Es ist möglich, dass in Zusammenhang mit der Diskussion um die Resistenzentwicklung und über unerwünschte Wirkungen der verfügbaren Präparate neue hochwirksame Präparate entwickelt werden. Es wird aber sicher viele Jahre dauern, bis man abschätzen kann, ob neue Präparate den heute verfügbaren wirklich überlegen sind.

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